Was ein Marienbild auslöst

Er habe eine «Kampfschrift gegen das Pflichtzölibat» geschrieben, sagt Andreas Iten. Den Anstoss dazu fand er auf dem Gubel.

von Markus Mathis

Was ist Andreas Iten (72) in seinem Leben nicht schon gewesen? Lehrer, Autor von Fachliteratur, Gemeindepräsident von Unterägeri, Kantonsrat, Regierungsrat, Landammann, Ständerat, Parteipräsident, Kulturfunktionär und Schriftsteller.
«Gibt es eigentlich zwei Andreas Iten?» fragte ihn deswegen Schriftstellerkollege Thomas Hütlimann (57) während der Vernissage seines neusten Romans im Burgbachkeller in Zug. Vielleicht habe er neben dem Politiker und dem Schriftsteller noch ein weiteres Gesicht, meinte Iten, der als Autor ebenso produktiv wie facettenreich
ist.

«Das kann die Phantasie anregen»

Sein neustes Buch «Der Schatten des Pfarrers» ist ein historischer Roman, in welchem ein Mesner aus Wilen – so hiess Unterägeri im 18. Jahrhundert – durch die Alpen ins Südtirol wandert, um ein Geheimnis zu lüften. Jenes eines ausdrucksstarken Marienbilds, vor dem er den Pfarrer häufig beten und weinen sieht (siehe Buchbesprechung in der Dienstagsausgabe). Gestern verriet Iten, was ihn zu dieser Geschichte inspiriert hat. Zum einen das Marienbild auf dem rechten Seitenaltar der Schlachtkapelle auf dem Gubel. «Ich habe mich oft gefragt: Welche Frau hat hier Modell gestanden?» Zum andern eine Passage über die Errichtung der Pfarrei Unterägeri aus dem Buch «Ägerital – seine Geschichte». Pfarrer Bernhard Fliegauf bezahlte damals das Pfarrhaus und die Marienkirche zum Teil selbst.
Aus welcher Quelle das Geld stamme, sei laut Historiker Renato Morosoli nicht bekannt. «Das kann die Fantasie natürlich anregen», meinte Iten.

Andreas Iten im Gespräch mit Thomas Hürlimann
Bild Werner Schelbert

Witze mit Tiefgang

In einem Werkstattgespräch plauderten Hürlimann und Iten locker über die Hauptfigur, dessen lange Wanderung auch eine Reise zu sich selbst ist. «Das ist ja wieder in Mode. Schauen wir nur das Pilgern nach Santiago de Compostela an», sagte Iten und fügte ein Schriftstellerzitat an: «Es würde den Menschen besser gehen, wenn sie mehr gingen.» Hürlimann konterte mit Nietzsche: «Jedem Beschluss ist zu misstrauen, wenn er nicht im Gehen gefasst wird.» Es sei «ein reiches Buch», das er mit Spannung gelesen habe, urteilte Hürlimann. Auch ein Buch über den Glauben, über die letzten Dinge. Dazu wollte Iten aber nicht konkret werden. «Es ist eine Kampfschrift gegen das Pflichtzölibat in der katholischen Kirche» sagte Iten. «Deswegen habe ich es geschrieben.»

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