Weichsinnig

Seit Ueli Maurer auf einer gemeinsamen Liste mit den Freisinnigen in den Ständerat gewählt werden möchte, sind sie nicht mehr weichsinnig. Auch die Höflichkeit ist gelegentlich Taktik.

Vulgäre politische Sprache

Im Kommentar zu einem Leserbrief beschäftigt sich Corrado Augias in «La Repubblica» vom 5. Juli mit der Gefahr der vulgären politischen Sprache. Er zählt eine ganze Reihe von vulgären gegenseitigen Beschimpfungen der Politiker auf. Die Richter werden als «malati di mente» bezeichnet, was man mit geisteskrank übersetzen könnte. Wer diese Sprache salonfähig gemacht habe, sei Berlusconi. Alle, die nicht denken und stimmen wie er, bezeichnet er als coglioni, Schlappschwänze. Da ist weichsinnig geradezu ein höflicher Ausdruck. Man vergesse leicht, meint Augias, welch ein zerstörerisches Potenzial im vulgären politischen Sprachgebrauch liege.

Der Po ein Spiegel Italiens

Für den Regisseur Ermanno Olmi war der Po in seiner Kindheit schön wie der blaue Himmel. Man konnte sein Wasser trinken. «Ora è degradato e pieno di veleni», heruntergekommen und voll von Giften. Dieser nunmehr entwürdigte Fluss korrespondiere der allgemeinen Vergiftung der Gesellschaft. Er widerspiegle den zivilen und moralischen Niedergang des Landes, die Scheusslichkeiten, die die Italiener täglich konsumieren würden.

Der Papst und die Kirche

Auch «La Repubblica» titelt: «I prostestanti non sono Chiesa». Es fehlt nur noch der alte Refrain: «Extra ecclesiam salus non est.» In der Schweiz empören sich Christen aller Konfessionen über die Überheblichkeit des Papstes. Die Überheblichkeit schafft Tragödien. «Ich wurde abgesetzt, weil ich schwul bin», so der Priester Karl Bürgler, der in Buochs sehr beliebt war, vielleicht hat ihn seine Liebe menschlich gemacht.

Jesuitenpater tritt aus Orden aus

Jesuitenpater Lukas Niederberger ist aus dem Orden ausgetreten. Als Grund nannte er eine Frau und den Rechtsrutsch in der Kirche. Die Rechten würden ihre Ziele fast inquisitorisch verfolgen. Es ist besser, sage ich, eine Frau zu lieben als den unbekannten Gott, der nur Antworten gibt, die man sich selber über den himmlischen Umweg geben muss.

Anträge statt Fragen

Zu Christoph Blochers Führungsgrundsätzen gehöre, dass die Mitarbeiter keine Fragen, sondern Anträge stellen sollten. Mit dieser Methode erreiche man eine effiziente Führung. Was machen kluge Angestellte? Sie überlegen und antizipieren, was der oberste Chef hören möchte und schlagen vor, was ihm vorschwebt. Es entstehen keine unnützen Diskussionen.

Ausschaffungsinitiative

Schon unglaublich, der eidgenössische Justizdirektor hat keine differenzierte Meinung zur fragwürdigen Ausschaffungsinitiative. Zuerst der Wahlkampf, dann das Volk, am Ende der Rechtsstaat und am Schwanz das Völkerrecht, auf das andere hinweisen müssen. Politik als «Hau den Lukas!»

Die FDP und das «Klimaproblem»

Saubere Energie, Atomkraft! Schon vor fünfzehn Jahren hätte die FDP eine Pionierrolle im Umweltschutz spielen können. Wer für ökologische Vernunft plädierte, wurde belächelt. Bundesrat Kaspar Villiger meinte einmal, in der Politik gebe es kaum Visionen, er selbst trete nicht mit Visionen sein Amt an. So ist es. Die Politik reagiert. Visionen entstehen an den Rändern. Politik ist das Ergebnis von Druck, der vom Rand her in die Masse wuchert.

Taktik

Die Parteien sollten die Taktik der SVP anwenden. Bundesrat Christoph Blocher, das medienwirksamste Streitross der Partei, bagatellisiert den Klimawandel. Flugs darauf verlangen Motionen seiner Fraktion freie Fahrt fürs Auto und Kürzungen bei den Bahnen.