Auf unsere Kosten wie Kaninchen vermehren

Weder Christoph Blocher noch Samuel Schmid sind dem Tessiner Regierungsrats Kandidaten der SVP, Eros Mellini, entgegengetreten, als dieser an der Delegiertenversammlung in die Runde rief, die Ausländer würden sich «auf unsere Kosten in der Schweiz wie Kaninchen vermehren». Stattdessen tobt tosender Applaus! Kein Wunder, Maurer heizt die Stimmung an und macht solche menschenverachtenden Sprüche salonfähig. Bei solch stockenden Gedanken müsste die Seele explodieren und schreien: «Denkt darüber nach, was ihr sagt!» Da nistet sich wieder ein Spruch ein, der die Seele verdirbt. Niemand fühlt sich berufen, Ausdrücken dieser Art zu widersprechen. Wo sind die Bischöfe? Wo ist das moralische Establishment? Wer liquidiert solche zu fixen Ideen werdenden Unworte? Wer beteiligt sich an der Verflüssigung der harten Worte, die die Realität mit Dreck zudecken? Hat das Wort von den Schurkenstaaten und der Achse des Bösen nicht genug Elend in die Welt gesetzt? Auch bei uns suchen Iraker nach Asyl.

Gläubige sollen lateinisch beten

Benedikt XVI. ist ein Papst, der in der Vergangenheit die Zukunft sieht. Geschiedene Katholiken dürften keine Kommunion erhalten, der priesterliche Zölibat sei unverzichtbar. Zugleich entfesselt der Papst gegen die Regierung Prodi, die gleichgeschlechtlichen Paaren einen zivilrechtlichen Schutz geben möchte, einen Sturm der Entrüstung. Die Polemik in den italienischen Medien dauert an. So werde die Familie zerstört. Sie aber sei der Hort der menschlichen Fortpflanzung. Dazu könnten Priester doch auch einen Beitrag leisten. Und nun sollen wir noch lateinisch beten. Der Papst betreibt ein Glasperlenspiel. Wie weit weg vom Volk will er die Kirche führen?

Siehe NLZ vom 14. März 2007